Day-Ahead-Preise — Kurzantwort

Was morgen kostet, steht heute Mittag fest: In der täglichen Auktion der Strombörse EPEX Spot geben Erzeuger und Versorger bis 12:00 Uhr ihre Gebote für jede Lieferperiode des Folgetags ab; ab etwa 12:40 Uhr sind alle Preise veröffentlicht. Seit dem 30.09.2025 wird in 15-Minuten-Kontrakten gehandelt — 96 Preise pro Tag.

Die Zahlen, auf die es ankommt:

GrößeWert
Gebotsschlusstäglich 12:00 Uhr für den Folgetag
Ergebnisseab ca. 12:40 Uhr
Kontrakte15 Minuten (seit 30.09.2025), vorher 60 Minuten
Zulässige Preisspanne−500 bis +3.000 €/MWh
Typische Tages-Spreizung10–20 ct/kWh zwischen günstigster und teuerster Stunde

Warum das für Wärme zählt: Wärme lässt sich speichern, Strompreis nicht. Wer die Erzeugung in die günstigen Stunden legt und aus dem Puffer liefert, senkt die Stromkosten bei gleicher Wärmelieferung — im deklarierten Beispiel einer 400-kW-Kaskade um rund 18.200 € pro Jahr.


Es gibt im deutschen Strommarkt eine Uhrzeit, die für Wärmeverantwortliche wichtiger ist als jede andere: 12:40 Uhr. Ab dann stehen die Strompreise für jede Viertelstunde des morgigen Tages fest — öffentlich, verbindlich, planbar. Kein anderes Betriebsmittel eines Gebäudes oder Werks bekommt seine Einkaufspreise einen halben Tag im Voraus geliefert. Genau diese Eigenschaft macht den Day-Ahead-Markt zum wichtigsten Werkzeug für alle, die Wärme mit Strom erzeugen.

Wie die Auktion funktioniert — in drei Sätzen

Erzeuger, Versorger und Großverbraucher melden bis 12:00 Uhr, zu welchem Preis sie morgen je Viertelstunde liefern oder abnehmen wollen. Die Börse sortiert alle Erzeugungsgebote nach Grenzkosten — erneuerbare Energien mit Kosten nahe null zuerst, Gaskraftwerke zuletzt — und arbeitet die Liste ab, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Markträumungspreis, den alle zahlen und alle erhalten.

Aus dieser Mechanik folgt alles Weitere: Viel Wind und Sonne verdrängen teure Kraftwerke aus der Reihenfolge, der Preis fällt — bei Überschuss unter null. Windstille Abendstunden holen die Gaskraftwerke zurück, der Preis steigt. Die Preiskurve eines Tages ist damit im Kern eine Wetter- und Verbrauchskurve.

Der Day-Ahead-Handelstag als Zeitstrahl12:00 UhrGebotsschlussder Auktionca. 12:40 Uhr96 Viertelstundenpreisefür morgen stehen festNachmittagFahrplan für Speicherund Wärmepumpe rechnenab 0:00 UhrLieferung — die Anlagefährt den Plan ab
Ein halber Tag Vorlauf: Zwischen Preisveröffentlichung und Lieferbeginn bleiben rund elf Stunden zum Planen.

Was sich mit dem 15-Minuten-Takt geändert hat

Bis September 2025 wurde der Day-Ahead-Handel in Stundenblöcken abgewickelt. Seit dem 30.09.2025 läuft die europäische Auktion im 15-Minuten-Takt — aus 24 Preisen pro Tag wurden 96. Das klingt technisch, verändert aber die Wirtschaftlichkeit flexibler Anlagen spürbar: Rampen wie der abendliche Rückgang der PV-Einspeisung werden präzise bepreist, das günstige Mittagstal und die teure Abendspitze treten schärfer hervor. Ein Speicher, der viertelstundengenau lädt, holt aus derselben Preiskurve mehr heraus als einer, der nur ganze Stunden kennt.

Von der Preiskurve zum Fahrplan — das eigentliche Handwerk

Die Preiskurve zu kennen ist der einfache Teil. Der Hebel entsteht in drei Schritten:

  1. Bedarf prognostizieren. Wie viel Wärme braucht das Gebäude morgen, Stunde für Stunde? Außentemperatur, Wetterprognose und das gelernte Lastprofil liefern die Antwort.
  2. Erzeugung platzieren. Die benötigten Kilowattstunden werden in die günstigsten Viertelstunden gelegt — so viel wie Speicher und Anlage hergeben. In den teuren Stunden liefert der Puffer.
  3. Effizienz gegenrechnen. Eine Wärmepumpe arbeitet je nach Außentemperatur und Vorlauftemperatur unterschiedlich effizient. Ein guter Fahrplan wägt deshalb Preis gegen Arbeitszahl ab: Die billigste Stunde nützt wenig, wenn die Anlage darin schlecht arbeitet.

Genau diese Rechnung täglich von Hand zu machen ist unrealistisch — deshalb ist der Fahrplan Software-Arbeit. Wichtig ist die Reihenfolge: erst Bedarf, dann Preis, dann Effizienz, und alles sicherheitsbegrenzt durch Temperatur-Leitplanken, damit Komfort und Anlagenschutz nie zur Disposition stehen.

Vom Preis zum Fahrplan: laden im Tal, liefern in der Spitze0 Uhr12 Uhr24 UhrDay-Ahead-Preis ↑Speicher laden + Vorlauf anhebenSpeicher liefertgünstiges TagesdrittelAbendspitze
Dieselbe Wärme, anderer Zeitpunkt: Erzeugt wird im grünen Tal, geliefert auch in der Spitze — aus dem Puffer.

Was die Spreizung wert ist — das Rechenbeispiel

Unser deklariertes Referenzbeispiel: eine Kaskade mit 400 kW thermischer Leistung, 1.200 MWh Wärme pro Jahr, Jahresarbeitszahl 3,0, Strombezug im Mittel 26 ct/kWh. Lassen sich rund 35 % des Strombezugs zeitlich verschieben und beträgt die mittlere nutzbare Spreizung 13 ct/kWh, ergeben sich etwa 18.200 € geringere Stromkosten pro Jahr — bei identischer Wärmelieferung. Die vollständige Herleitung samt Wärmegestehungskosten-Rechnung steht im Glossar zum Day-Ahead-Markt, inklusive Live-Chart der aktuell gehandelten Stunden.

Die ehrliche Einordnung: Was der Day-Ahead-Preis nicht kann

Zwei Dämpfer gehören dazu. Erstens: Beim Endkunden kommt nur ein Teil der Spreizung an, weil Netzentgelte, Steuern und Abgaben als weitgehend fixer Sockel auf jedem Preis liegen — es sei denn, zeitvariable Netzentgelte nach §14a Modul 3 verstärken das Signal zusätzlich. Zweitens: Ohne Flexibilität ist die schönste Preiskurve wertlos. Eine Wärmepumpe ohne Pufferspeicher muss liefern, wenn Wärme gebraucht wird — nicht, wenn Strom billig ist. Die Investitionsreihenfolge lautet deshalb: erst Speicher und Messung, dann Tarif, dann Fahrplan-Steuerung. Für die Bestandsaufnahme gibt es unseren kostenlosen Heat-Check — 10 Fragen als PDF.

Wer diese drei Bausteine zusammen hat, betreibt seine Wärmeerzeugung nicht mehr nach Uhrzeit oder Außentemperatur allein — sondern nach dem Markt. Und der sagt jeden Mittag um 12:40 Uhr an, wie morgen gefahren wird.

Häufige Fragen

Wo kann ich die Day-Ahead-Preise für morgen einsehen?
Die Ergebnisse der EPEX-Spot-Auktion sind ab dem frühen Nachmittag öffentlich zugänglich — etwa über SMARD (Bundesnetzagentur), die Börse selbst oder APIs dynamischer Stromanbieter. In unserem Day-Ahead-Glossar läuft ein Live-Chart mit den aktuell gehandelten Stunden inklusive günstigstem Tagesdrittel.
Warum schwanken die Day-Ahead-Preise so stark?
Weil der Preis nach der Merit Order entsteht: Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Scheint die Sonne und weht der Wind, decken Anlagen mit Grenzkosten nahe null die Nachfrage — der Preis fällt, teilweise unter null. In windstillen Abendstunden setzen Gaskraftwerke den Preis. Die zulässige Spanne der gekoppelten Auktion reicht von −500 bis +3.000 €/MWh.
Was bringt mir der Day-Ahead-Preis ohne dynamischen Stromtarif?
Direkt zunächst nichts — der Preisvorteil kommt nur an, wenn Ihr Liefervertrag die Börsenpreise weiterreicht: über einen dynamischen Tarif (seit 2025 Pflichtangebot aller Lieferanten) oder eine spotpreisindizierte Beschaffung. Der zweite Nutzen ist aber tarifunabhängig: Wer die Preiskurve kennt, kennt die Netzsituation von morgen und kann Lastspitzen und §14a-Dimm-Risiken vorausplanen.
Reicht es, die Wärmepumpe nachts laufen zu lassen?
Nein — das war die Logik alter Nachtspeichertarife. Mit viel Photovoltaik im Netz ist heute oft die Mittagszeit am günstigsten, im Winter können es Nachtstunden sein, an Sturmtagen fast der ganze Tag. Die günstigen Stunden wandern täglich. Deshalb braucht es keinen festen Zeitplan, sondern einen täglich neu gerechneten Fahrplan aus der aktuellen Preiskurve.
Wie viel Speicher braucht eine Wärmepumpe für strompreisgeführten Betrieb?
Als Faustregel genügt ein Pufferspeicher, der den Wärmebedarf von zwei bis vier Stunden aufnimmt, um die teuersten Stunden des Tages zu überbrücken — bei größeren Anlagen sind das einige Kubikmeter Wasser. Zusätzlich lässt sich die Gebäudemasse als thermischer Speicher nutzen, indem die Vorlauftemperatur in günstigen Stunden sicherheitsbegrenzt angehoben wird.

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