Glossar · Energiemärkte · 2026

Day-Ahead-Markt (Vortageshandel)

Kurzdefinition

Auf dem Day-Ahead-Markt wird heute der Strom für morgen gehandelt: In der täglichen Auktion der Strombörse EPEX Spot entstehen bis 12:00 Uhr die Preise für jede Lieferperiode des Folgetags — seit dem 30.09.2025 im 15-Minuten-Takt. Der Day-Ahead-Preis ist die Referenz für dynamische Tarife und der Fahrplan-Rohstoff für strompreisgeführte Wärmepumpen und Speicher.

Isometrische Illustration: Preistafel mit Tagespreiskurve über Windrad, Solarpanel und Strommasten — der Day-Ahead-Markt

Definition: Heute den Strom für morgen kaufen

Der Day-Ahead-Markt ist das Herzstück des kurzfristigen Stromhandels: Erzeuger, Versorger und Großverbraucher handeln am Vortag (day ahead) die Lieferungen für jeden Abschnitt des Folgetags. In Deutschland läuft der Handel über die Strombörse EPEX Spot in der Gebotszone Deutschland/Luxemburg; die Auktion ist europaweit gekoppelt, sodass günstiger Strom über die Grenzen fließt, bis die Leitungskapazität ausgeschöpft ist. Der dabei entstehende Börsenstrompreis ist die meistzitierte Referenzgröße des Strommarkts — von der Tagesschau bis zum dynamischen Tarif.

So funktioniert die Auktion

  • Bis 12:00 Uhr geben alle Teilnehmer ihre Kauf- und Verkaufsgebote für die Lieferperioden des Folgetags ab — täglich, auch am Wochenende.
  • Ab ca. 12:40 Uhr stehen die Ergebnisse fest: ein Markträumungspreis je Periode, den alle Käufer zahlen und alle Verkäufer erhalten.
  • Preisspanne: Die gekoppelte Auktion erlaubt Preise von −500 bis +3.000 €/MWh — negative Preise bei EE-Überschuss inklusive.
  • Planbarkeit: Ab dem frühen Nachmittag sind alle Preise für morgen bekannt — genug Vorlauf, um Speicher, Wärmepumpen und flexible Prozesse als Fahrplan zu optimieren.

Merit Order: Wie der Preis entsteht

Die Gebote der Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten sortiert und in dieser Reihenfolge eingesetzt, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle — deshalb bestimmen an windstillen Abenden Gaskraftwerke den Preis, während sonnige Mittagsperioden von Wind und Solar mit Grenzkosten nahe null geprägt sind.

Seit 30.09.2025: 15-Minuten-Kontrakte

Mit der Umstellung der europäischen Marktkopplung wird die Day-Ahead-Auktion seit dem 30. September 2025 in 15-Minuten-Kontrakten gehandelt — statt 24 Stundenpreisen entstehen 96 Viertelstundenpreise pro Tag. Der Grund: Solar- und Windeinspeisung ändern sich innerhalb einer Stunde erheblich; Viertelstundenpreise bilden Rampen wie den abendlichen PV-Rückgang präzise ab. Für flexible Verbraucher bedeutet das schärfere Preissignale: Das günstige Mittagstal und die teure Abendspitze treten deutlicher hervor — und ein Speicher, der viertelstundengenau lädt, holt mehr Spreizung heraus als einer, der nur ganze Stunden kennt.

Live: Day-Ahead-Preise heute

Day-Ahead-Preise live

EPEX Spot DE · Quelle: aWATTar

Live-Preise werden geladen …

Day-Ahead vs. Intraday

Day-AheadIntraday
Handeleine Auktion täglich, 12:00 Uhrkontinuierlich, rund um die Uhr
LieferungFolgetagderselbe Tag, bis kurz vor Lieferung
ZweckGrundplanung der Beschaffungkurzfristiger Ausgleich von Prognosefehlern
Rolle für FahrpläneBasis: Preise ab Mittag für morgen bekanntFeinkorrektur, höhere Volatilität

Day-Ahead-Preise nutzen: Tarife und Wärme

Beim Verbraucher kommt der Day-Ahead-Preis über dynamische Stromtarife an: Börsenpreis je Periode plus Aufschlag, Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Interessant wird das für alles, was Strombezug zeitlich verschieben kann — allen voran Wärmepumpen mit Pufferspeicher: Weil die Preise ab Mittag für den ganzen Folgetag feststehen, lässt sich die Wärmeerzeugung als Fahrplan planen. Eine Kaskade lädt den Speicher in den günstigen Perioden und liefert in den teuren aus dem Speicher — zusammen mit reduzierten Netzentgelten nach §14a EnWG entsteht so der Effekt aus unserem Referenzbeispiel: 18.200 € weniger Stromkosten pro Jahr bei einer 400-kW-Kaskade. Genau diese Fahrplan-Logik automatisiert die strompreisgeführte Wärmepumpen-Optimierung — sicherheitsbegrenzt durch Temperatur-Leitplanken.

Häufige Fragen

Was ist der Day-Ahead-Markt?

Der Day-Ahead-Markt ist der Teil des Strom-Spotmarkts, auf dem heute der Strom für morgen gehandelt wird. Erzeuger, Versorger und Großverbraucher geben an der Strombörse — in Deutschland vor allem EPEX Spot in der Gebotszone Deutschland/Luxemburg — Gebote für jede Lieferperiode des Folgetags ab. In einer täglichen Auktion entsteht daraus für jede Periode ein Markträumungspreis, der sogenannte Day-Ahead- oder Börsenstrompreis.

Wann findet die Day-Ahead-Auktion statt?

Täglich, auch am Wochenende: Gebote können bis 12:00 Uhr abgegeben werden, die Ergebnisse werden ab etwa 12:40 Uhr veröffentlicht. Ab dem frühen Nachmittag stehen damit alle Preise des Folgetags fest — das ist der entscheidende Vorteil für die Planung: Ein Fahrplan für Wärmepumpen, Speicher oder flexible Prozesse lässt sich für die kommenden 24 bis 36 Stunden im Voraus rechnen.

Warum wird seit 2025 in 15-Minuten-Kontrakten gehandelt?

Zum 30.09.2025 hat die europäische Day-Ahead-Marktkopplung von Stunden- auf 15-Minuten-Kontrakte umgestellt. Der Grund ist die Einspeisung von Solar- und Windstrom, die sich innerhalb einer Stunde stark ändern kann: Viertelstundenpreise bilden Rampen — etwa den Abfall der PV-Leistung am Abend — deutlich genauer ab. Für flexible Verbraucher werden die Preissignale damit feiner: Statt 24 gibt es 96 Preise pro Tag.

Wie entsteht der Day-Ahead-Preis?

Nach der Merit Order: Alle Erzeugungsgebote werden nach Grenzkosten sortiert — erneuerbare Energien mit Grenzkosten nahe null zuerst, dann Kern- und Kohlekraft aus dem Ausland, zuletzt Gaskraftwerke. Kraftwerke werden in dieser Reihenfolge eingesetzt, bis die nachgefragte Menge gedeckt ist; das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Deshalb sind Perioden mit viel Wind und Sonne günstig und windstille Abendspitzen teuer. Die zulässige Preisspanne der gekoppelten Auktion reicht von −500 bis +3.000 €/MWh.

Was bedeuten negative Strompreise?

Bei sehr hoher Einspeisung aus Wind und Sonne und gleichzeitig niedriger Nachfrage übersteigt das Angebot den Bedarf — Erzeuger bieten dann zu negativen Preisen, weil das Abregeln oder Herunterfahren ihrer Anlagen teurer wäre. Wer in solchen Perioden Strom bezieht, wird faktisch für den Verbrauch bezahlt. Flexible Lasten wie Wärmepumpen mit Pufferspeicher können genau diese Perioden zur Speicherbeladung nutzen.

Wie kommen Day-Ahead-Preise beim Verbraucher an?

Über dynamische Stromtarife: Der Versorger reicht den Day-Ahead-Preis je Viertelstunde oder Stunde eins zu eins weiter, plus Aufschlag, Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Seit 2025 müssen alle Stromlieferanten in Deutschland dynamische Tarife anbieten; Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem. Für Betreiber größerer Anlagen ist auch die direkte spotpreisindizierte Beschaffung über einen Energiedienstleister üblich.

Ab 12:40 Uhr kennt Ihr Speicher den Preis von morgen. eco2lot Heat rechnet aus Day-Ahead-Preisen, COP-Kennfeld und Speicherzustand täglich den günstigsten Wärmefahrplan — und weist die Einsparung in Euro nach.

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