Mi, 6.05.2020 9 Minuten zu lesen

Wozu dient ein Energiemanagementsystem (EnMS)?

Ein erfolgreiches Energiemanagement beeinflusst die organisatorischen und technischen Prozesse sowie Verhaltensweisen und sorgt dabei für eine gesteigerte Transparenz über die Energieverbräuche.

Definition 

Das langfristige Ziel eines Energiemanagementsystems ist der effiziente Umgang mit Energie im Unternehmen und in Organisationen. Dafür wurde im Juni 2011 in Form der Norm ISO 50001  erstmalig ein internationaler Standard für ein Energiemanagementsystem aufgestellt. 

Ein Energiemanagementsystem trägt nicht nur dazu bei, die Kosten zu reduzieren und damit einhergehend die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, sondern auch die Ressourcen und die Umwelt zu schützen. Deswegen wird das systematische Energiemanagement in vielen Unternehmen weltweit eingesetzt. 

Ein erfolgreiches Energiemanagement beeinflusst die organisatorischen und technischen Prozesse sowie Verhaltensweisen und sorgt dabei für eine gesteigerte Transparenz über die Energieverbräuche. Dadurch können die Energiekosten verursachergerecht zugeordnet werden und den Unternehmen wird automatisch aufgezeigt, wo sich Energieeinsparpotenziale befinden. 

Mit Hilfe des Energiemanagementsystems werden die Energiepolitik, damit auch die strategischen und operativen Ziele und Aktionspläne, die Planung, die Einführung und das Betreiben, das Überwachen und Messen, die Kontrolle und Korrektur, interne Audits sowie eine regelmäßige Überprüfung durch das Management konzipiert und ausgeführt. Dadurch kann nicht nur das Unternehmensimage verbessert werden, sondern auch Förderungen und gesetzliche Erleichterungen genutzt werden. Unsere Energiemanagement Software Eco²lot (Link zu Software) unterstützt Sie dabei als Wegweiser bei der Strukturierung und Ermittlung der energiebezogenen Leistung Ihrer Infrastruktur. 

Internationale Energiemanagementnorm ISO 50001 

Als klassische Managementsystemnorm ist die ISO 50001 nicht sektorspezifisch ausgerichtet und kann von diversen Organisationen, von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bis hin zu Konzernen oder öffentlichen Betrieben, angewandt werden. Die Norm stellt einen Handlungsrahmen zur Verfügung, welcher mit individuellem Engagement des jeweiligen Anwenders auszufüllen ist. Die dabei zu beachtenden formalen Anforderungen an die Funktionen und Aufgaben des EnMS müssen ein breites Spektrum abbilden. Folglich ist es die Aufgabe des jeweiligen Verantwortlichen, die Diversität an Ausgestaltungsoptionen, wie sie in der ISO 50001 beschrieben sind, entsprechend den eigenen Bedürfnissen anzupassen. 

Ein EnMS nach ISO 50001 kann vollkommen unabhängig von vorhandenen Managementsystemen eingeführt oder in bereits bestehende Managementsysteme integriert werden. Das Besondere an der ISO 50001 ist, dass sie so konzipiert wurde, dass sie sich mit anderen Managementsystemen, vor allem im Bereich Qualitäts- und Umweltmanagement, kombinieren lässt. So basiert die Norm – wie auch die DIN EN ISO 9001 oder die DIN EN ISO 14001 und EMAS  –  auf dem weit verbreiteten Plan-Do-Check-Act-Kreislauf (PDCA).  

Die Struktur ist dabei stark angelehnt an die Norm ISO 14001. Die von der Geschäftsstelle des Umweltgutachterausschusses – einer das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit beratenden Einrichtung – veröffentlichte Vergleich von EMAS und ISO 50001 „Erfüllung der Anforderungen der DIN EN ISO 50001 „Energiemanagementsysteme“ durch EMAS“ ( https://www.emas.de/aktuelles/energiewende/abgleich-der-anforderungen-der-energiemanagementnorm-din-en-iso-50001-mit-emas/) verdeutlicht diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die „International Organization for Standardization“ hat als Herausgeber dieser Norm kurze und kompakt eine Zusammenfassung mit dem Titel „ISO 50001 Energy management systems“ (https://www.iso.org/files/live/sites/isoorg/files/store/en/PUB100400.pdf) veröffentlicht. 

Kostenreduzierung 

Jedes Unternehmen mit hohen Energiekosten weiß, dass sich die Energiepreise in den letzten Jahren deutlich nach oben entwickelt haben und sich dies zukünftig aufgrund der Energiewende auch nicht verändern wird. Steigende Energiepreise gehen mit steigenden Kosten einher und reduzieren demnach den Gewinnanteil. Ein EnMS ist Ihnen dabei durch eine kontinuierliche Überwachung der Energie eine wesentliche Unterstützung, um Schwachstellen in der Energienutzung identifizieren und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Dadurch wird die Energieeffizienz gesteigert, die Energiekosten gesenkt und Ihr Gewinnanteil vergrößert. Darüber hinaus reduzieren Sie dadurch ihre Produktionskosten und verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil, der nicht nur den Standort, sondern auch die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter sichert. 

Abb. 1: Energiekostenentwicklung mit einem kontinuierlichen Energiemanagementsystem (EnMS) 

Energiekostenentwicklung mit einem kontinuierlichen Energiemanagementsystem (EnMS)

Umweltschutz 

Energiemanagementsysteme leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, indem Schwachstellen systematisch identifiziert werden und Energie allgemein in Ihrem gesamten Unternehmen durch Optimierungsmaßnahmen effizienter eingesetzt wird. Damit verbunden ist auch eine Reduzierung der direkten und indirekten CO2-Emissionen Ihres Unternehmens (Corporate Carbon Footprint). Eine derartige Senkung der CO2-Emissionen und eine damit einhergehende Ressourcenschonung ist der beste Weg zu einer Zukunft des nachhaltigen Wirtschaftens. Technologische Innovationen, aber auch neue, veränderte Energiekonzepte leisten ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.  

Unternehmensimage 

Mit der Einführung und der entsprechenden Zertifizierung Ihres Energiemanagementsystems erhalten Sie den Nachweis, dass Sie in Ihrem Unternehmen energetisch sinnvoll wirtschaften und sicherstellen, dass dies auch kontinuierlich so fortgesetzt wird. Sie können diesen Nachweis auch nutzen, um Ihre energetische Wirtschaftsweise nach außen glaubwürdig darzustellen. So können Ihre aktuellen und zukünftigen Lieferanten, aber auch Ihre (potenziellen) Kunden sehen, dass Sie ernsthaft Energiemanagement betreiben und damit Ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten. 

Förderungen und gesetzliche Erleichterungen 

Ein (zertifiziertes) Energiemanagementsystem wird darüber hinaus zunehmend zur Voraussetzung, um Fördermittel und gesetzliche Erleichterungen in Anspruch zu nehmen. Außerdem werden in öffentlichen Ausschreibungen immer häufiger ökologische Anforderungen gestellt, die auch den energetischen Bereich betreffen können. 

In Deutschland ist es seit 2009 für energieintensive Unternehmen möglich, auf Antrag von einer EEG-Ausgleichsregelung zu profitieren. Um den Antrag stellen zu können, muss allerdings bereits jetzt ein zertifiziertes Energiemanagementsystem im Unternehmen eingeführt sein.