Mo, 19.10.2020 6 Minuten zu lesen

ISO 50001 - Teil 14: Wie kann Wissen im Unternehmen aufgebaut werden?

Unsere Serie zur ISO 50001:2018: Die Energienorm verstehen und effektiv umsetzen.

Im Abschnitt 7.2 der Energienorm wird von den Unternehmen gefordert, dass qualifizierte Mitarbeiter im Betrieb vorhanden sind und auch nachweislich weitergebildet werden. Um dies in der Praxis optimal umsetzen zu können, beschäftigt sich dieser Artikel unserer Serie zur Energienorm DIN EN ISO 50001:2018 mit der Fragestellung, wie Wissen im Unternehmen aufgebaut werden kann.

Sobald es an die Weiterqualifizierung der Beschäftigten in einem Unternehmen geht, stellt sich die Fragestellung, wie mit wenig Aufwand eine größtmögliche Wirkung erzielt werden kann. Dabei gilt es nicht nur nach effizienten Schulungen Ausschau zu halten, sondern auch lediglich diejenigen Mitarbeiter auszuwählen, die in ihrer täglichen Arbeit von der Weiterbildung profitieren.

Beim Energiemanagement müssen nicht alle Mitarbeiter speziell weitergebildet werden, da nicht alle den Energieverbrauch beeinflussen und am Energiemanagementsystem mitwirken. Besonders sind natürlich die Mitarbeiter im Energieteam betroffen, aber es gibt auch weitere Beschäftigte entweder mit einem direkten Einfluss (bspw. Logistik, Produktion) oder mit einem indirekten Einfluss (bspw. Entwicklung, Planung, Einkauf).

Tipp: Eco²lot bietet passgenaue Schulungen für Ihr Team an, die auf den persönlichen Bedarf und Wissensstand angepasst werden. Wir holen die Teilnehmer dort ab, wo sie stehen und führen sie bedarfsgerecht durch das jeweilige Thema. Dabei haben wir für jeden Funktionsbereich die passende Schulung im Angebot.

Für jede energierelevante Funktion sollte ein Qualifikationsprofil aufgestellt werden. Dabei erscheint es ökonomisch nicht sinnvoll dies auf jede einzelne Position anzuwenden. Der Fokus sollte eher auf speziellen Aufgaben im Rahmen des Energiemanagements liegen. Dazu gehört unter anderem die Beantragung von Förderung, technische Kenntnisse der Maschinen und Anlagen und die Beeinflussbarkeit von Verbräuchen.

In dem Qualifikationsprofil sollte vermerkt sein, was der Mitarbeiter in seiner Funktion können muss. Dazu gehört die Ausbildung, Zertifikate, Schulungen, Weiterbildungen und Erfahrungen. Anschließend wird das aktuelle Können der Mitarbeiter untersucht, beurteilt und der ermittelte Schulungsbedarf mit weiteren notwendigen Fähigkeiten ergänzt. Dies kann entweder durch eine Befragung, durch ein internes Audit, durch Stichproben oder durch das Beobachten von Kennzahlen erfolgen. Erfüllt der Mitarbeiter das jeweilige Qualifikationsprofil nicht, so ist für eine Deckung des Qualifikationsbedarfs zu sorgen. Dafür muss der Erfolg der Maßnahme geprüft und allgemein der tatsächliche Ausbildungsstand des Mitarbeiters nachvollziehbar geführt werden. Zu diesen Mitarbeitern zählen nicht nur die eigenen Beschäftigten, sondern ebenfalls Zeit- und Leiharbeiter, Subunternehmen oder andere externe Beschäftigte.

Bei den Qualifikationsanforderungen gibt es weiterhin auch rechtliche Vorschriften für Befähigungen, die im Rahmen der Überprüfung bestimmter energetischer Anlagen erforderlich sind. Dazu gehört bspw.:

  • ein Dampferzeuger darf gemäß Betriebssicherheitsverordnung nur durch befähigte Personen bedient werden
  • die Dichtigkeitsprüfung von Kälteanlagen darf nur von entsprechendem Personal und einer zertifizierten Fachfirma durchgeführt werden
  • elektrische Geräte dürfen nach DGUV Vorschrift 3 ebenfalls nur durch befähigte Personen bedient werden
  • genauso wie bei der Prüfung von Druckbehältern oder der Prüfung von Heizungen

Um eine effektive Arbeitsweise zu ermöglich, können die Qualifikationsprofile auch direkt in die Stellenbeschreibungen integriert und bei Neubesetzungen verwendet werden. Auch die Frage nach einer Verpflichtung zur Dokumentation von Qualifikationsprofilen kann beantwortet werden. Diese ist nicht vorhanden und kann daher gerade bei kleineren Unternehmen vernachlässigt werden. Sobald aber die Verantwortlichen keinen Überblick mehr über die Befähigungen der Mitarbeiter haben, sollte eine entsprechende Dokumentation angelegt werden. In diesen Aufzeichnungen kann auch der Bedarf nach neuen Schulungen und Qualifikationen vermerkt werden. Gründe für einen neuen Schulungsbedarf können bspw. Energieverschwendung, Nichterreichen von Zielen, neue Aufgaben, neue Arbeitsmittel oder rechtliche Vorgaben sein.

Manche eher allgemeinen Schulungen können auch mit der gesamten Belegschaft durchgeführt werden. Besonders, wenn es um die Sensibilisierung für Energiethemen und um Energieeinsparungen geht. Nach den Schulungen kann der Erfolg durch Befragungen überprüft werden. Diese sollten allerdings erst nach einiger Zeit stattfinden, wenn der Mitarbeiter genügend Zeit hatte, dass gelernte Wissen anzuwenden. Diese Befragung kann auch in einem Gespräch zwischen dem jeweiligen Mitarbeiter und dessen Vorgesetzten stattfinden. Dadurch kann eine objektivere Einschätzung erfolgen. Das beste Instrument zur Erfolgsmessung sind aber die erreichten Energieeinsparungen, die durch die Entwicklung der entsprechenden Energieleistungskennzahlen nachvollzogen werden können.

Dieser Artikel unserer Energienorm-Serie vermittelt, wie Wissen im Unternehmen aufgebaut und gespeichert werden kann. Im nächsten Teil dieser Serie zur DIN EN ISO 50001:2018 stellen wir die Frage, wie man am besten aus seinen Fehlern lernen kann. Dies ist zum einen wichtig, um bereits gemachte Fehler nicht noch einmal zu machen und zum anderen, um sein eigenes Verhalten im Energiemanagement stetig verbessern zu können.