Mo, 31.01.2022 8 Minuten zu lesen

Die Begriffe des Nachhaltigkeitsmanagements einfach erklärt

 

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das in letzter Zeit immer mehr für Schlagzeilen sorgt. Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, wie jemand sagte: "Schön, dass Sie etwas für die Umwelt tun!", oder Sie denken, dass es bei Nachhaltigkeit nur um das Recycling in Ihrem Unternehmen geht, aber es geht um so viel mehr!

Nachhaltigkeit kann auf alles beziehen, vom Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Energie über die Abfallwirtschaft bis hin zu politischen Entscheidungen, die die Aufteilung von Land zwischen Mensch und Natur betreffen.

Es reicht nicht mehr aus, nur um der Nachhaltigkeit willen nachhaltig zu sein. Um Kunden anzuziehen, Ihre Mitarbeiter zufrieden zu stellen und das Vertrauen der Investoren zu erhalten, brauchen Sie auch eine Nachhaltigkeitsstrategie! Je umfassender diese ist und je mehr Ressourcen auf allen Ebenen des Unternehmens - von der Geschäftsleitung bis hin zu den Mitarbeitern - zur Verfügung gestellt werden, desto geringer sind die Risiken, die mit einem mangelnden Engagement verbunden sind.

Dadurch kann ebenfalls sichergestellt werden, dass alles klar ist, wenn jemand Informationen über den einen oder anderen Bereich benötigt, so dass er fundierte Entscheidungen auf der Grundlage von Daten statt auf der Grundlage von Annahmen treffen kann.
Es gibt viele Möglichkeiten, wie Unternehmen umfassende Nachhaltigkeitspläne erstellen können. Bspw. durch die Festlegung von Zielen, die dann in Zielvorgaben münden; die Festlegung von Standards für diese Zielvorgaben, sobald sie erreicht sind, ermöglicht es ihnen, die Fortschritte bei der Erfüllung der Erwartungen zu überwachen.

Die Grundlagen

Nachhaltigkeit ist mehr als nur der Schutz unserer Umwelt. Es geht auch darum, sich um die Gesellschaft von heute genau zu kümmern, wie um die künftigen Generationen. Wir sollten unsere heutigen Bedürfnisse erfüllen, ohne zu riskieren, dass es morgen, nächstes Jahr usw. nicht mehr möglich sein wird.

In der Wirtschaft ist vor allem das Konzept der "Triple Bottom Line" bekannt. Dieses gibt es seit 1994 und wurde erstmals von John Elkington eingeführt. Es beschreibt die finanziellen, sozialen (oder umweltbezogenen) und ökologischen Gewinne oder Verluste, die Unternehmen bewerten sollten, wenn sie über die eigene Gewinnmaximierung hinausgehen. Entsprechend sollten Unternehmen auch berücksichtigen, wie sich Ihre Produkte und Dienstleistungen auf die Gesellschaft als Ganzes auswirken.

Corporate Social Responsibility (CSR)

Unternehmen, die nicht nur als Unternehmen mit Weltverbesserer-Absichten wahrgenommen werden wollen, sondern als solche, die sich aktiv für die Verbesserung der Gesellschaft auf allen Ebenen einsetzen, sollten die Umsetzung einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie in Betracht ziehen. CSR-Maßnahmen beschreiben in der Regel nicht nur zusätzliche Aktivitäten, die nichts mit dem eigentlichen Geschäftsmodell zu tun haben. Sie können auch zu Konflikten führen, indem sie unnötig Zeit und Ressourcen in Anspruch nehmen, die besser für die Steigerung der Gewinnmargen oder die effektive Erfüllung der Kundenwünsche hätten verwendet werden können, wenn Sie z.B. zwei verschiedene Aufgaben auf einmal erledigen.

ESG ist die Abkürzung für Environmental, Social und Governance. Es bietet Kriterien für Investoren, um Unternehmen zu finden, deren Werte mit den eigenen übereinstimmen, und gleichzeitig sowohl die wirtschaftliche Leistung als auch ökologische oder soziale Faktoren in jedem einzelnen Anlageentscheidungsprozess zu berücksichtigen. ESG wird immer wichtiger, denn es wird verstärkt nach Organisationen gesucht, die nicht nur erfolgreich wirtschaften, sondern auch ihre Mitarbeiter fair behandeln, klug mit Ressourcen umgehen und so weiter...

Die Umwelt- und Sozialkriterien eines Unternehmens können je nach Branche unterschiedlich sein. Die Umweltkriterien umfassen im Allgemeinen den Energieverbrauch, die Abfallmengen, den Umgang mit natürlichen Ressourcen und den CO2-Ausstoß. Die sozialen Kriterien befassen sich mit den Arbeitsbedingungen allgemein. Dazu gehört auch die Lohn- und Chancengleichheit sowie die Gesundheit am Arbeitsplatz. Auch für die Unternehmensführung gibt es dabei Richtlinien, die Einfluss haben auf die Geschäftsethik, die Aktionärsstruktur oder auch die Compliance-Vorschriften.

Es gibt für jedes Unternehmen Gründe sich im Bereich der Nachhaltigkeit zu engagieren und dies zu kommunizieren. Dies ist unabhängig davon, ob Sie ein Start-up, ein KMU oder ein Konzern sind. Es gibt für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern von der EU Richtlinien  zur Berichterstattung über sogenannte "public-interest-entities". Diese zieht ESG-Kriterien mit ein und hält Unternehmen dazu an, die Berichterstattung an anerkannten Standards auszurichten.

Greenhouse Gas (GHG) -Protokoll

Das GHG bietet einen Rahmen für die Messung der globalen Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen), der von Vor-Ort-Messungen der Produktionsanlagen bis hin zu detaillierten Betrachtungen der gesamten Wertschöpfungskette des Unternehmens und der Minderungsaktivitäten reicht.

SDGs: Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die Vereinten Nationen haben die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) ins Leben gerufen, um bis 2030 die Armut zu beenden, die Natur zu schützen und gleiche Rechte für alle zu schaffen. Die 17 Ziele sind so konzipiert, dass sie verschiedene globale Herausforderungen angehen können, darunter die Senkung der Treibhausgasemissionen, wo es geeignete Techniken gibt, das Stoppen der Landflucht in den Industrieländern durch eine verbesserte öffentliche Verkehrsinfrastruktur oder durch Hilfsprogramme wie Mikrokredite, die auf notleidende Familien ausgerichtet sind, die außerhalb der Städte leben und nur Zugang zu Arbeitsplätzen mit festem Einkommen haben und vieles mehr. Die UN ermutigt Organisationen, bei der Konzipierung ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten mit den Zielen zu arbeiten und dies auch über die Unternehmenskanäle zu kommunizieren.

Global Reporting Initiative (GRI)

Die Global Reporting Initiative (GRI) wurde 1997 gegründet und bietet den umfassendsten Standard für die CSR-Berichterstattung. Sie hilft Unternehmen dabei, über alle Indikatoren zu berichten, die mit dem gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen zu tun haben, wie z.B. Initiativen zur Förderung der Vielfalt oder zum Schutz der Menschenrechte; Projekte zur Verringerung der Umweltverschmutzung, wie z.B. Recycling-Programme, die die Kohlenstoffemissionen von Kraftwerken reduzieren, indem sie diese speichern, anstatt Kohle kontinuierlich zu verbrennen - all diese Informationen finden Sie in den Unterlagen der GRI!

UN Global Compact

Der UN Global Compact ist eine Initiative der Vereinten Nationen, die die Rechenschaftspflicht von Unternehmen fördert. Sein Berichtsstandard "Communication of Progress (COP)" leitet und unterstützt Unternehmen bei der Kommunikation von Fortschritten in Nachhaltigkeitsfragen für externe Stakeholder wie Investoren oder Kunden.

DNK: Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Der deutsche Nachhaltigkeitskodex wurde ins Leben gerufen, um Unternehmen einen weiteren Rahmen zur Berichtserstattung zur Seite zu stellen. Unabhängig von Größe und Rechtsform bietet der branchenübergreifende Standard Unternehmen verschiedene Anforderungen zu unternehmerischen Nachhaltigkeitsaktivitäten. Um die Anforderungen zu erfüllen, müssen die teilnehmenden Betriebe zu 20 Kriterien mit je bis zu zwei Leistungsindikatoren berichtet werden. Diese Indikatoren beziehen sich sowohl auf ökologische und soziale Aspekte, als auch auf die Unternehmensführung. Die Leistungsindikatoren werden dabei anhand der Global Reporting Initiative (GRI) und European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) bestimmt.