Solarzellen zur Eigenstromerzeugung
So, 26.09.2021 6 Minuten zu lesen

Mit Flexibilitäten am Strommarkt Geld verdienen - Wir zeigen wie es geht!

 

Das Management und die Vermarktung abhängig der individuellen Präferenzen, Anforderungen und Gegebenheiten. Im Zusammenhang mit der Energieversorgung ist Flexibilität eines der "Top-Themen", um Kosten zu sparen und den Betrieb zu optimieren. Wir zeigen wie es umgesetzt wird und, ob es auch für Ihren Betrieb interessant ist.

"Flexibilität" bedeutet in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, den Stromverbrauch von Maschinen, Anlagen und die Eigenstromerzeugung bewusst so zu steuern, dass der Betreiber Geld verdient. Dies eröffnet produzierenden Unternehmen wie der chemischen und pharmazeutischen Industrie, aber auch Eigenstromerzeugern und Rechenzentrumsbetreibern zahlreiche Möglichkeiten, die Energiekosten zu optimieren und das wirtschaftliche Potenzial der eigenen Erzeugungsanlagen voll auszuschöpfen.

Regelenergiemarkt oftmals nicht das Richtige

Wenn es um den Umgang mit Flexibilität geht, gibt es verschiedene Konzepte, mit denen sich Einsparpotenziale oder zusätzliche Einnahmen erschließen lassen, z. B. die Regelenergievermarktung.

Unternehmen, die Regelenergie bereitstellen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des Stromnetzes und zur allgemeinen Versorgungssicherheit. Unabhängig davon, ob ihre Regelenergie verbraucht wird, erhalten sie eine Bereitschaftsvergütung. Wird ihre Regelenergie tatsächlich genutzt und abgerufen, erhalten sie neben der Bereitschaftsvergütung auch einen Energiepreis für die bereitgestellte Leistung (positiv oder negativ).

Der Ausbau der erneuerbaren Energien sorgt für starke Schwankungen im Stromnetz. Wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint, müssen die Netzbetreiber das ausgleichen, denn Erzeugung und Verbrauch von elektrischer Energie müssen immer im Gleichgewicht sein. Dies erreichen die Netzbetreiber durch den Einsatz von sogenannter Regelenergie, auch Regelleistung genannt. Diese Reserven werden auf einer speziellen Plattform der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW), dem Regelenergiemarkt, gehandelt. Kommt es zum Beispiel zu einem Überangebot im Stromnetz, reagieren die Netzbetreiber, indem sie die Anlagen am Regelenergiemarkt zusätzliche Leistung aus dem Netz ziehen lassen. Dies wird als negative Regelenergie bezeichnet.

Kommt es dagegen zu einer unvorhersehbaren, erhöhten Stromnachfrage, gleichen die Netzbetreiber dies durch kurzfristige Einspeisungen in ihr Stromnetz aus den Anlagen am Regelenergiemarkt aus. Mit Hilfe dieser positiven Regelenergie stellen sie wiederum das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Entnahme sicher.

Der Haken für Anbieter und Unternehmen: Die Erlöse auf dem Regelenergiemarkt sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Hinzu kommt, dass viele kleine und mittlere Geschäftskunden nur die Möglichkeit haben, ihre Leistungen in einem Pool mit anderen kleineren Kunden anzubieten. Eine individuelle Vermarktung ist für sie in einem solchen Pool nicht möglich - die Erlöse hängen direkt von der Vermarktungsstrategie des jeweiligen Poolbetreibers ab.

Vermarktung über die europäische Energiebörse

Daher ist der Regelenergiemarkt nicht immer der optimale Vermarktungsweg für die eigenen Flexibilitäten. In vielen Fällen ist dafür der Intraday-Handel am Spotmarkt der European Power Exchange (EPEX), der europäischen Energiebörse in Paris, besser geeignet. Hier findet der Handel mit kurzfristig lieferbaren Strommengen statt. Unternehmen, die hier ihre Flexibilitäten verkaufen, können deutlich höhere Einnahmen erzielen - oder Kosten sparen, indem sie an diesen Märkten zu besonders günstigen Zeiten Strom einkaufen. Der Ertrag ist immer direkt abhängig von der Menge der bereitgestellten Leistung.

Sind Unternehmen mit ihren Flexibilitäten auf dem Intraday-Markt aktiv oder decken dort ihren Bedarf durch kurzfristige Zukäufe, nennt man das Flexibilitätsvermarktung. Das Flexibilitätsmanagement schafft dabei die Grundlage für die Vermarktung von freiwerdenden Leistungsreserven oder den Zukauf bei einer Leistungsreduktion in der Eigenerzeugung unter Berücksichtigung der Preissignalen. Fremdbezug, Eigenerzeugung und auch eventuelle Zwischenspeicherung werden durch anlagenspezifische Kosten- und Preisvorgaben möglichst optimal aufeinander abgestimmt, so dass die Kunden durch eine optimale Strategie sowohl Planungssicherheit für die betriebenen Anlagen als auch nachhaltige Zusatzerlöse generieren.

Voraussetzungen für die Flexibilitätsvermarktung

Flexibilitätsvermarktung ist für Unternehmen ohne professionelle Unterstützung und IT-Systeme nur schwer durchführbar. Zum einen ist es ohne Vorerfahrung oder intelligente Energiemanagement Software oft schwierig, Flexibilitätspotenziale in den eigenen Prozessen zu erkennen. Die Herausforderung liegt daher in der Verfügbarkeit und Verarbeitung von zeitbezogenen Leistungsdaten (Nachfrage vs. Überschuss) und Preisinformationen.

Dies gelingt aber z.B. durch die Zusammenarbeit mit Energieversorgern, die diese Möglichkeiten als Dienstleistung anbieten und ihre Kunden von der ersten strategischen Beratung über die Erstellung von sog. Fahrplänen bis hin zum Handel an der Strombörse unterstützen.

Andererseits müssen Unternehmen eine Reihe von Anforderungen erfüllen, die mit professioneller und erfahrener Unterstützung leichter umzusetzen sind:

Um am Spotmarkt der EPEX zu handeln benötigen Unternehmen bzw. diejenigen Mitarbeiter eine Börsennotierung, die nur spezialisierte Mitarbeiter in sehr großen Unternehmen haben. Die Alternative wäre ein strategischen Partner, der den Hochgeschwindigkeitshandel am Intraday-Markt beherrscht. Darüber hinaus benötigen die Unternehmen geeignete IT-Systeme, die Verbrauchsdaten (möglichst in Echtzeit) liefern und übertragen können. Hierfür eignen sich intelligente Messsysteme in Kombination mit einer Energiemanagement Software. Um bei der Flexibilitätsvermarktung erfolgreich zu sein, sind in der Regel Vorabinvestitionen notwendig. Diese amortisieren sich jedoch in den meisten Fällen schon nach kurzer Zeit. Denn die Chancen, dadurch Geld zu verdienen oder zu sparen, sind in vielen Fällen erheblich.