Mo, 31.08.2020 6 Minuten zu lesen

ISO 50001 - Teil 7: Welche Faktoren beeinflussen das Energiemanagement?

Unsere Serie zur ISO 50001:2018: Die Energienorm verstehen und effektiv umsetzen.

Im vierten Normabschnitt, Kontext der Organisation, dreht sich alles um die Rahmenbedingungen des Energiemanagementsystems. Dabei wird nicht nur der Bewegungskontext des Unternehmens definiert, sondern auch der Anwendungsbereich des Energiemanagementsystems sowie die Unternehmensabläufe festgelegt.

Als Teil der strategischen Unternehmensplanung sind in dieser Analyse das Unternehmensumfeld sowie die internen und externen Einflüsse auf das Unternehmen enthalten. Als Teil der Strategie, bestimmt diese Planung daher auch das grundsätzliche Handeln der Verantwortlichen und die Richtung der Unternehmensentwicklung. Um ein ganzheitliches Verständnis über den Markt, die eigene Branche, die gesetzlichen Regelungen und die neusten Technologien zu erlangen, fordert die Norm von den Unternehmen ein unternehmerisches Denken in Bezug auf die Energienutzung ein.

Interne Faktoren, die das Energiemanagement beeinflussen sind folgende:

  • Risiken und Haftung
  • Unternehmenskultur
  • Geschäftsziele
  • Wirtschaftliche Pläne
  • Technologischer Ist-Zustand im Unternehmen
  • Finanzielle Ressourcenlimitierung

Folglich sind es auch externe Faktoren, die einen Einfluss ausüben:

  • Umweltauswirkungen
  • Geopolitisches Umfeld
  • Staatliche oder lokale Ziele, bspw. Energiewende
  • Sicherheit und Gewährleistung der Energieversorgung, bspw. regenerative Energien
  • Innovationen, bspw. Speichertechnologien
  • Technische Normen

Um eine bessere und einfache Übersicht zu generieren, bietet es sich an, diese Faktoren im Rahmen eines PESTEL-Analyse zu kategorisieren. Dabei werden die einzelnen Einflussfaktoren nach den folgenden Gesichtspunkten unterteilt: politisch, wirtschaftlich, sozial, technologisch, ökologisch und rechtlich. Die Analyse selbst kann dabei in einem geeigneten Workshop gemeinsam mit der obersten Führungsebene sowie dem Energiemanager und dessen Team erarbeitet werden. Dabei bietet es sich zu Beginn an alle Interessengruppen des Unternehmens zu definieren, die einen potenziellen Einfluss auf die Energie und deren Verbrauch haben können, um aus deren Sicht das Unternehmen betrachten zu können. Weiterführend sollten die Ansprüche und Erwartungen der Interessengruppen erörtert und auf Übereinstimmungen und Widersprüche überprüft werden.

In der Norm sind keine Anforderungen bezüglich einer Dokumentation des Unternehmenskontextes oder der Anforderungen sowie Ansprüche der Interessengruppen vorhanden. Trotzdem ist es jedem Unternehmen zu raten, die Interessenspartner und deren Anliegen gründlich zu dokumentieren. Einerseits vermeidet dies unnötige Diskussionen im Zertifizierungsaudit und andererseits können die Ansprüche der Interessengruppen besser überprüft und ggf. angepasst werden. Damit ist zwar zu Beginn ein Mehraufwand verbunden, dieser relativiert sich allerding schnell wieder durch eine effektivere Arbeitsweise. Diese Dokumentation kann ebenfalls verwendet werden, um eine Energiestrategie auszuarbeiten und anzupassen.

Tipp: Unsere Energiemanagement Software Eco²lot bietet Ihnen, neben vielfältigen Funktionen rund um die Energiedaten Verarbeitung und Analyse, auch umfassende Möglichkeiten zur Dokumentation von Inhalten, das sogenannte „Content Management“.

Im Folgenden sind ein paar Beispiele für Interessengruppen und deren möglicher Anforderungen dargestellt:

  • Kunden à DIN EN ISO 50001 Zertifikat, CO2-arme Produkte
  • Unternehmer à Nachhaltiges Wirtschaften
  • Staat à Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen
  • Gesellschaft à Image, Anforderungen von Umweltorganisationen
  • Energielieferanten à Beschaffung von effizienten Maschinen und Anlagen
  • Banken à Förderrichtlinien
  • Energiedienstleister à Einhaltung der Verträge

Ein besonders wichtiger Aspekt bei den Einflussfaktoren, der gerade bei Energiemanagement-Neulingen auf Verzweiflung trifft, sind die rechtlichen Anforderungen. Auch bei den Auditoren selbst gibt es Differenzen bezüglich den zu berücksichtigten gesetzlichen Regelungen. Einige halten lediglich diejenigen Gesetze für relevant, die unmittelbar mit Energie zu tun haben, andere wiederum befinden sämtliche Regelungen für wichtig, die mit Energie und energetischen Analgen zu tun haben.

Die nachfolgende Tabelle gibt daher einen Überblick über diejenigen Gesetze, die unmittelbar mit Energie zu tun haben und von den Autoren Brugger-Gebhardt/Jungblut in ihrem Buch „Die DIN EN ISO 50001:2018 verstehen“ für relevant befunden wurden. Beispiele für Gesetzte und Regelungen, die nur mittelbar etwas mit Energie zu tun haben, lassen sich in dem Buch der beiden Experten nachlesen.

Die wichtigen Regelungen und Gesetzte sowie deren Anforderungen an das Unternehmen sollten von den Verantwortlichen gut strukturiert in einem Rechtskataster abgelegt werden. Dadurch kann sichergestellt werden, dass die Ansprüche berücksichtigt und die abgeleiteten betrieblichen Prozesse und Abläufe umgesetzt werden. Selbstverständlich sollte das Kataster regelmäßig überprüft werden. Hierfür gibt es bereits Onlinedienste, die eine regelmäßige Aktualisierung durchführen und die Verantwortlichen folglich lediglich die Wichtigkeit einzustufen und Maßnahmen abzuleiten haben. Eine gute Informations- und Beratungsquelle stellen außerdem die Handwerks- sowie die Industrie- und Handelskammer dar.

Nachdem nun bereits die zu Grunde liegenden Aspekte des Energiemanagements in dieser Serie zur Energienorm DIN EN ISO 50001 dargelegt wurden, wird im nächsten Artikel das Thema rund um die energierelevanten Prozesse aufgegriffen.