Mo, 27.07.2020 6 Minuten zu lesen

ISO 50001 - Teil 4: Welche Energieziele sind sinnvoll?

Unsere Serie zur ISO 50001:2018: Die Energienorm verstehen und effektiv umsetzen.

In Teil 3 unserer Serie zur Energienorm haben wir bereits vorgestellt, wie eine Strategie auszuarbeiten und im Rahmen der Energiepolitik umzusetzen ist. Dabei wird die Politik in konkrete Energieziele übersetzt und bestimmte Normanforderungen sind zu berücksichtigen. Dieser Artikel stellt folglich vor, welche Energieziele im Rahmen der DIN EN ISO 50001:2018 sinnvoll und notwendig sind.

Grundsätzlich können die Zielsetzungen in strategische und in operative Ziele untergliedert werden. Die Norm deklariert diese beiden Unterteilungen anhand der Begriffe Ziel (englisch: objective), für die allgemeinen Zielvorstellungen bzw. strategischen Zielsetzungen, und Energieziel (englisch: target), als konkrete Sollvorgaben bzw. operative Zielsetzung. Ein Beispiel: Wenn ein Ziel die Einsparung von Strom darstellt, ist die Beschreibung des Energieziels deutlich konkreter, z.B. den Stromverbrauch für Licht um 20% innerhalb eines Jahres zu senken.

Die Zielsetzungen sollten aber nicht nur für die oberste Führungsebene aufgestellt werden, sondern für sämtliche Unternehmensbereiche und Hierarchieebenen, die einen Einfluss auf den Energieverbrauch im Unternehmen haben. Die Zielsetzungen sollten dabei nach der SMART-Regel aufgestellt werden. Das heißt, sie müssen spezifisch, also möglichst genau und konkret, messbar, akzeptiert, realistisch und terminierbar sein. Besonders die Messbarkeit ist eine wichtige Eigenschaft von Zielen, da ansonsten ihr Erreichen oder Nicht-Erreichen nicht nachgewiesen werden kann. Darüber hinaus müssen die Ziele schriftlich dokumentiert, kommuniziert und überwacht werden. Um auch die Erreichung der Ziele sicherstellen zu können, sollten folgende Faktoren ebenfalls direkt mitgeplant werden: Wie kann das Ziel konkret erreicht werden? Welche Mittel werden benötigt? Wer ist verantwortlich? Welche Investitionen sind notwendig?

Tipp: Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Energiemanagement Software darauf, dass diese auch eine Funktion zur Dokumentation solcher Inhalte besitzt. Eco²lot bietet Ihnen hierzu vielfältige Möglichkeiten Informationen und Daten zu dokumentieren sowie gezielt Messwerte zu Ihren Zielen zu lokalisieren.

Damit die effektivsten Ziele ausgewählt werden, sollte der wesentliche Energieeinsatz (SEU = significant energy use), also diejenigen Faktoren, die einen wesentlichen Anteil am Energieverbrauch haben oder ein großes Potenzial zur Optimierung besitzen, sowie bereits definierte Chancen zur Energieeinsparung berücksichtigt werden.

Gerade im ersten Jahr des Energiemanagements eignet sich die Erlangung des Zertifikats im Rahmen der DIN EN ISO 50001:2018 als gute Zielsetzung zum Einstieg. In großen Unternehmen, wo oftmals bereits ein Kennzahl- und Auswertungssystem vorhanden ist, bietet es sich an, dieses um die Energiegesichtspunkte zu erweitern und dadurch eine einfache Überwachung sicherzustellen.

Wie oben bereits erwähnt, sollten Zielsetzungen bereits umfassend mit den dazugehörigen Verantwortlichkeiten und Ressourcen geplant werden. Bei umfassenden und komplexen Zielen kann dies auch über einen Projektmanager organisiert werden. In der Energienorm 50001:2018 ist dies als Aktionsplan deklariert. Folgende praktische Beispiele sind möglich: Ein Programm zur Senkung von Druckluftlecks, ein Schulungsprogramm für das Abschalten von nicht genutzten Geräten oder die Einführung einer energiesparenden Beschaffung.

Beginnt eine Organisation mit der Umsetzung der ersten energetischen Zielsetzungen, so werden meist zuerst die niedrig hängenden großen Früchte gepflückt, bei welchen mit wenig Aufwand eine große Verbesserung erreicht werden kann. Nachfolgend sind dann die kleineren Potenziale, die relativ gesehen, mit deutlich größerem Aufwand umzusetzen sind. Nach einiger Zeit gleicht der Energieverbrauch des Betriebes dann einer Hyperbel, die sich langsam einem konstanten Wert nähert.

Tipp: Nutzen Sie von Anfang an eine kompetente Energiemanagement Software, die Ihnen dabei hilft Ihren Ist-Zustand aufzunehmen, Einsparungsmaßnahmen zu identifizieren und schließlich Ihre Zielerreichung festzustellen. Eco²lot unterstützt Sie bei der Analyse und der Überprüfung von Optimierungsmaßnahmen, indem Ihre Betriebsdaten umfassend erfasst und ausgewertet werden. Erlangen Sie dadurch Transparenz über Ihre Handlungen und Möglichkeiten!

Bei Unternehmen, die bereits mehrere Jahre ein erfolgreiches Energiemanagement durchführen, kann es passieren, dass keine signifikanten Ziele mehr vorhanden sind, da bereits alle Einsparpotenziale genutzt wurden. Davon sollten sich die Verantwortlichen aber nicht demotivieren lassen, denn auch das Halten des guten Niveaus im Gesamtenergieverbrauch kann eine geeignete Zielsetzung sein. Passende Maßnahmen wären beispielsweise die Optimierung der Maschineneinstellung, die Überwachung der Verbräuche oder eine regelmäßige Bewusstseinsbildung und Schulung der Beschäftigten.

Will sich ein Unternehmen gemäß der DIN EN ISO 50001:2018 zertifizieren, so muss es in der Lage sein die Verbesserungen der Energieleistung nachzuweisen. In der Praxis wird der Verlauf des Energieverbrauchs allerdings von vielen Parametern, wie der Konjunkturschwankung oder von Änderungen in der Produktion beeinflusst. Daher ist es oftmals schwierig die gewünschten Verbesserungen in der Verbrauchskurze darzustellen.

Tipp: Mit Eco²lot haben Sie nicht nur die Möglichkeit statische Berechnungen vorzunehmen, sondern können auch externe Faktoren, wie die Produktion bestimmter Produkte, die Produktion auf verschiedenen Maschinen, unterschiedliche Umgebungstemperaturen und sogar unterschiedliche Maschinenzustände wie Einrichtebetrieb, Automatikbetrieb oder Standby-Betrieb, in Ihre Berechnungen miteinbeziehen.

Gerade deshalb widmet sich der nächste Artikel unserer Serie zur Energienorm DIN EN ISO 50001:2018 mit der Fragestellung, wie sich die Erfolge des Energiemanagementsystems messen lassen.