Sa, 25.12.2021 6 Minuten zu lesen

Was ist Blindleistung und wie können die Blindenergiekosten vermieden werden?

 

Nicht nur Netzbetreiber möchten die Blindleistung vermeiden, sondern auch für Unternehmen sorgt die Blindleistung für einen zusätzlichen Kostenfaktor. Überschreitet die Blindleistung, die nicht nutzbar ist, einen bestimmten Schwellenwert, so wird sie dem Stromkunden berechnet. In diesem Beitrag wird erläutert, was Blindleistung ist, wie sie entsteht und wie Unternehmen die Kosten im Zusammenhang mit der Blindleistung vermeiden können. 

Wie entsteht Blindleistung?

Blindleistung ist der Teil des Stromes, der sich nicht für den Betrieb von Anlagen oder Geräten einsetzen lässt. Entsprechend ist die Energie nicht nutzbar. Daher ist diese Leistung quasi "Blind". 

Vollkommen unbrauchbar ist die Blindleistung allerdings nicht. Sie wird beispielsweise eingesetzt, um zum Beispiel in Vorschaltgeräten, Generatoren, Elektromotoren oder Transformatoren Magnetfelder auf- und abzubauen oder Kondensatoren zu laden. Diese Magnetfelder sind elementar für die Stromversorgung, denn sie sorgen dafür, dass der Strom im Wechselstromnetz geleitet wird. Fehlt die Blindleistung so käme auch der nutzbare Strom nicht vom Kraftwerk zum Verbraucher.

Welche Leistung gibt es noch?

Zusammenfassend kann man sagen: Die Blindleistung baut Magnetfelder und ist erforderlich, um die Wirkleistung zu übertragen. Sie fließt im Stromnetz zwischen Erzeuger und Verbraucher hin und her, lässt sich aber nicht in andere nutzbare Energieformen umwandeln.

Diese nutzbaren Energieformen nennt man Wirkleistung. Das ist die Leistung, die tatsächlich in andere Energieformen umgewandelt wird und die ein Unternehmen etwa als Bewegungsenergie, Wärme oder Licht nutzen kann.

Dann gibt es noch die Scheinleistung. Diese setzt sich zusammen aus der Wirkleistung und der Blindleistung. Sie erfasst also entsprechend den gesamten im Stromnetz bereitgestellten Strom, von dem die Blindleistung, als ein Teil, aber nicht verbraucht werden kann.

Veranschaulichen kann man die Energieleistungen anhand des Beispiels Bier und Schaumkrone in einem Glas. Das Bier entspricht der Wirkleistung, der Schaum der Blindleistung, beides zusammen ergibt die Scheinleistung, denn das Glas hätte sich ohne den Schaum weiter (und wirkungsvoller) füllen lassen.

Welche Kosten kommen auf Unternehmen zu?

Wie bereits erwähnt, müssen Verbraucher die in der Scheinleistung enthaltene Blindleistung bezahlen, wenn eine bestimmte Grenze überschritten wird. Denn die Energieversorger müssen die gesamte Scheinleistung übertragen, damit die Verbraucher die Wirkleistung nutzen können. In den Verträgen des Versorgers ist der vereinbarte Leistungsfaktor festgehalten und vom Verbraucher selbst einzuhalten. Die finden diesen Kostenfaktor als eigene Position auf der Stromrechnung. Privatkunden werden mit diesen Kosten dagegen nicht belastet.

Und wie können Unternehmen diese Kosten reduzieren?

Die Blindenergiekosten lassen sich zum Glück reduzieren und sogar zu 100% vermeiden. Notwendig dafür ist eine Anlage zur sogenannten Blindstromkompensation. Diese Anlagen erbringen die notwendige Blindleistung und nehmen sie auch wieder auf. Das reduziert den Anteil des vom Energieversorger bezogenen Blindstroms oder entlastet das Stromnetz sogar ganz. Entsprechend werden dem Unternehmen weniger oder sogar auch gar keine Kosten mehr in Rechnung gestellt, um den Aufwand für den Blindstrom auszugleichen.

Eine Kompensationsanlage können Unternehmen ohne größeren Aufwand in ihrem Betrieb nachrüsten. Die Kosten für eine solche Investition amortisieren sich im Durchschnitt nach 2 bis 3 Jahren. Am besten werden diese Anlagen möglichst nahe bei den Verbrauchern installiert. Denn dies verringert den sich im Stromnetz bewegenden Blindstrom am effektivsten.

Investitionskosten durch Blindleistungskompensation senken

Eine Kompensationsanlage hilft nicht nur dabei Stromkosten zu sparen,  sondern kann auch dazu beitragen, Kosten für eine Erweiterungsinvestition zu vermeiden. Wenn die Leistung des eigenen Transformators nicht für eine Erweiterung des Maschinenparks ausreicht und deshalb ein neuer, leistungsstärkerer Transformator angeschafft werden müsste, dann kann es sich lohnen. Möglicherweise reduziert die Kompensationsanlage die Blindleistung so weit, dass die Leistung des alten Transformators für die neuen Verbraucher genügt. Dann kann der Betrieb auf die Investition in einen neuen Transformator verzichten.

Dies ist möglich, denn wenn die Blindleistung sinkt, wird das Stromnetz entlastet. Im Stromnetz stehen dann mehr Kapazitäten zur Verfügung. Im Idealfall entspricht im entlasteten Stromnetz die Scheinleistung nun der Wirkleistung. Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit der Investitionen stellt das Unternehmen den Kosten für einen neuen Transformator die Kosten für eine Anlage zur Kompensation und die mögliche Senkung der Stromkosten gegenüber.

Fazit

Blindleistung kann nicht in nutzbare Energie umgewandelt werden und steht deshalb nicht für Verbraucher zur Verfügung. Unnütz ist sie aber nicht, denn Blindleistung ist erforderlich, um den nutzbaren Strom im Wechselstromnetz vom Energieerzeuger zum Verbraucher zu übertragen. Dadurch belastet sie aber die strapazierten Stromnetze zusätzlich. Werden die vertraglichen Vereinbarungen mit dem EVU nicht eingehalten, stellen die Energieversorger die Blindleistung den Stromkunden bzw. den Unternehmen in Rechnung. Helfen kann hier eine Blindstromkompensationsanlage. Diese reduziert den Anteil des Blindstroms im Stromnetz und senkt damit die Stromkosten. Zudem kann die bessere Nutzung der Netzkapazität Investitionskosten vermeiden.

Der Anteil der Blindleistung steigt übrigens besonders, wenn der Strom nicht regelmäßig ins Netz eingespeist wird. Das ist oftmals bei den erneuerbaren Energien, wie Wind und Sonne, der Fall. Wird zu viel Strom ins Netz eingespeist, muss zur Regulierung der dadurch entstehenden Spannungen zusätzlich Blindleistung übertragen werden.