Mo, 2.11.2020 6 Minuten zu lesen

ISO 50001 - Teil 16: Gibt es Alternativen zur ISO 50001?

Unsere Serie zur ISO 50001:2018: Die Energienorm verstehen und effektiv umsetzen.

Unsere Energiemanagement-Serie widmet sich eigentlich voll und ganz der internationalen Norm DIN EN ISO 50001:2018. Dennoch schreiben wir in unserem 16. Artikel über die Alternativen zu dieser Norm. Denn es sind noch weitere Standards für Energiemanagementsysteme vorhanden. Es gibt die DIN EN 16247, die Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung (SpaEfV) sowie diverse Nachhaltigkeitsstandards, wie die EMAS, die DIN ISO 26000 und die GRI.

Gemäß der DIN EN 16247 werden ebenfalls Energieaudits in Form von Energieberatungen durch einen qualifizierten Fachexperten für alle Art von Unternehmen und Organisationen durchgeführt. Dabei wird eine Anlage, ein System, ein Gebäude oder eine gesamte Organisation untersucht, um den Energieeinsatz zu analysieren und Einsparpotenziale zu ermitteln. Die Ergebnisse werden anschließend in einem ausführlichen Bericht festgehalten. Diese Energieaudits können als alternatives System für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) für steuerliche Entlastungen nach §10 StromStG und §55 EnergieStG verwendet werden. Des Weiteren müssen gemäß dem Energiedienstleistungsgesetz (EDL) alle Unternehmen, die größer als KMUs sind, alle vier Jahre verbindliche Energieaudits durchführen. Die Energieaudits ersetzen zwar kein Energiemanagementsystem, fördern aber, durch die regelmäßige Durchführung, dass sich die Unternehmen mit ihrem Energieverbrauch und ihren Einsparpotenzialen auseinandersetzt.

Damit KMU steuerliche Entlastungen gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, erhalten können, hat die Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung (SpaEfV) Anforderungen an Systeme zum Verbessern der Energieeffizienz definiert. Die erste Anforderung umfasst dabei das Erfassen und Analysieren eingesetzter Energieträger. Hierbei soll der energetische Eintrag in den Betrieb untersucht werden. Das heißt, es werden die Art und die Menge der Energieträger ermittelt, in absoluten Zahlen, Anteilen und Kosten ausgedrückt sowie der Weg dorthin und die Ergebnisse genau dokumentiert. Anschließend wird im Rahmen der zweiten Anforderung, Erfassen und Analysieren von Energie verbrauchenden Anlagen und Geräten, der Output der Energie ermittelt. Dazu werden die Leistungsdaten und die tatsächlichen Verbrauchsdaten so exakt wie möglich ermittelt. Dabei müssen mindestens 90% der verbrauchten Energie betrachtet werden. Im dritten Schritt werden die Einsparpotenziale identifiziert, bewertet und priorisiert. Im abschließenden Schritt werden die Ergebnisse in Form von Informationen an die Geschäftsführung herangetragen, die dann über die Investitionen und die Umsetzung der Maßnahmen entscheiden. Für Unternehmen bietet die SpaEfV ein Einstieg in das Energiemanagement und ermöglicht eine einfache Weiterentwicklung zur DIN EN ISO 50001.

Wenn man das Energiemanagement als einen Teil des Nachhaltigkeitsmanagementsystems aufgreifen möchte, dann bieten die Anforderungen der EMAS an ein Umweltmanagementsystem eine gute Möglichkeit. EMAS steht dabei für „Eco-Management and Audit Scheme“ und ist aktuell in der Verordnung 1505/2017/EU festgelegt. Die EMAS zählt aber nicht zu der ISO-Welt der Normen, sondern liegt im rechtlich geregelten Bereich. Die Regelungen zur Implementierung befinden sich in Deutschland im Umweltauditgesetz (UAG). Dort sind unter anderem die Aufgaben von Umweltgutachtern und deren Akkreditierung geregelt. Neben den Anforderungen der DIN EN ISO 14001 umfasst die EMAS noch die Rechtskonformität sowie die Rechenschaftspflicht und beschreibt ein allgemeines Umweltmanagementsystem. Mindestens alle drei Jahre wird die Umsetzung des Umweltmanagementsystems sowie die Umwelterklärung von einem registrierten Umweltgutachter überprüft. Erfolgreich validierte Unternehmen werden in das EMAS-Register aufgenommen und erhalten das EMAS-Logo für Werbezwecke.

Die DIN ISO 26000 „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen“ wurde für gesellschaftlich verantwortliches Handeln (Corporate Social Responsibility) aufgesetzt. Sie richtet sich an Organisationen aller Art und beinhaltet einen ganzheitlichen nachhaltigen Ansatz mit sieben Kernthemen. Zu diesen gehören Menschenrechte, Organisationsführung, Umwelt, Arbeitspraktiken, Konsumentenanliegen, faire Betriebs- und Geschäftspraktiken sowie Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft. Dabei definiert die Norm Handlungsfelder, wovon drei unter anderem den Energieverbrauch betreffen: Vermeidung von Umweltbelastungen, Nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Abschwächung des Klimawandels und Anpassung. Entsprechend sollen regelmäßig Berichte über den Fortschritt des Unternehmens erstellt werden.

Als letzte Alternative stellen wir die Global Reporting Initiative (GRI) vor. Dies ist ein globales Netzwerk von Organisationen, die sich auf Basis der DIN ISO 26000 und unter Federführung des Rats für Nachhaltigkeitsstandards einem nachhaltigen Wirtschaften verpflichtet haben und Standards zur nachhaltigen Berichterstattung veröffentlichen. Die GRI Standrads 302 Energie und 305 Emissionen thematisieren das Energiemanagement und beinhalten Aspekte wie Senkung des Energiebedarfs für Produkte und Dienstleistungen, Energieverbrauch, Energieintensität, direkte und indirekte Treibhausgasemissionen sowie deren Senkung und verschiedene Luftemissionen. Seit 2019 werden große Kapitalgesellschaften dazu verpflichtet, entsprechende Berichte zu veröffentlichen.

Dieser Artikel hat noch einmal die Alternativen zur bekannten Energienorm DIN EN ISO 50001:2018 zusammengefasst und ihre jeweiligen Charakteristika vorgestellt.